…oder was uns alle zwei Jahre nach Venedig zieht

von Elke Sieber und Daniel Wensauer-Sieber

In einer Ära, in der sich Unternehmen ständig an neue Marktbedingungen, Technologien und globale Trends anpassen müssen, wird die Fähigkeit zur Transformation zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Kunst, oft als Domäne der Kreativen missverstanden bzw. darauf reduziert, birgt tiefgreifende Lektionen für CEOs, die vor der Herausforderung stehen, ihre Organisationen durch den Wandel zu führen. Führende Kunstausstellungen wie die Biennale in Venedig bietet hierfür einen einzigartigen Einblick und einige möchten wir in diesem BLOG von unserem diesjährigen Besuch in der Lagunenstadt weitergeben.

Zum 60. Mal öffnet in diesem Jahr die Biennale in Venedig ihre Pforten Foto: swsp transform

1. Kunst als Spiegel der Gesellschaft – Verständnis für globale Strömungen entwickeln

Die Biennale in Venedig ist bekannt dafür, dass sie gesellschaftliche Themen aufgreift und künstlerisch verarbeitet. In diesem Jahr ist das Thema „Foreigners Everywhere“ und damit verbunden die Themen Migration, Exil und auch der „globale Süden“.

Eingang zur Ausstellung im Arsenale mit dem Leitmotto der Biennale „Foreigners Everywhere“. Foto: swsp transform

CEOs können so einen Besuch auf der Biennale nutzen, um ein tieferes Verständnis für globale Strömungen und deren Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld zu entwickeln. Beispielsweise kann die Auseinandersetzung mit Kunstwerken, wie zum Beispiel dem US-Pavillon, der mit Jeffrey Gibson erstmals von einem indigenen Künstler gestaltet wurde – in frohen Farben und nicht zu übersehen.

Der US-Pavillon In diesem Jahr zum ersten Mal von einem indigenen Künstler, Jeffrey Gibson gestaltet. Foto: swsp transform

Der US-Pavillon In diesem Jahr zum ersten Mal von einem indigenen Künstler, Jeffrey Gibson gestaltet. Foto: swsp transform

Oder auch der deutsche Pavillon, wo Ersan Mondtag mit seiner Kunst die Einwanderer-Geschichte seines Großvaters Hasan Aygün erzählt und erlebbar macht. Wir waren sicherlich nicht die einzigen, die nachdenklich den Pavillon in diesem Jahr verließen. So werden Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit in Venedig thematisiert und neue Perspektiven eröffnet.

Im deutschen Pavillon wird in diesem Jahr die Geschichte des "Gastarbeiters" Hasan Aygün, der bei der Asbest-Firma Eternit arbeitete Foto: swsp transform

Im deutschen Pavillon wird in diesem Jahr die Geschichte des „Gastarbeiters“ Hasan Aygün, der bei der Asbest-Firma Eternit arbeitete Foto: swsp transform

Alles geeignet und Chancen, um die die eigene Unternehmensstrategie kritisch zu reflektieren und aktuellen Herausforderungen oder auch Erkenntnissen anzupassen.

2. Kunst als Inspirationsquelle – Kreativität und Innovation fördern

Die Biennale ist ein Schmelztiegel innovativer Ideen und kreativer Ausdrucksformen aus vielen Ländern der Welt – in diesem Jahr zum 60. Mail.

Auch Nachhaltigkeit ist ein Thema auf der Biennale – Energie aus Obst für die Kunstwerke im Japan-Pavillon Foto: swsp transform

 

Die diesjährige Ausstellung umfasst 90 nationale Beteiligungen von über 330 Künstlern in den historischen Pavillons in den Giardini, im Arsenale und im Stadtzentrum von Venedig. Benin, Äthiopien, Tansania und Osttimor nehmen zum ersten Mal an der Biennale teil; Nicaragua, Panama und Senegal sind zum ersten Mal mit einem eigenen Pavillon vertreten. Nicht nur CEOs können sich von dieser Kreativität inspirieren lassen, um neue Ansätze für Produktentwicklung, Marketing und Unternehmenskultur zu finden. Die Begegnung mit unkonventionellen Kunstwerken kann den mentalen Rahmen erweitern und zu originellen Lösungen für betriebliche Herausforderungen anregen. Heraustreten aus der eigenen Komfortzone – eintauchen in unbekannte Welten.

3. Kunst als Medium der Reflexion – Persönliche und unternehmerische Resilienz stärken

Kunst ermöglicht es, innezuhalten und zu reflektieren – eine essenzielle Praxis für jeden CEO. Die Biennale bietet Raum für Kontemplation abseits des hektischen Geschäftsalltags. Allein das Streifen durch die Giardini oder durch Gassen sowie über Brücken in Venedig ist eine gute Möglichkeit, abzuschalten, Gedanken zu ordnen – oder wieder einen neuen Palazzo zu entdecken. Zu unserem festen Programm gehört das Verweilen in dem vom Künstler Tobias Rehberger gestalteten Café, für das er 2013 den Goldenen Löwen gewann. (Kleine lokalpatriotische Anmerkung: auch in der Kunsthalle Baden-Baden hat Rehberger das Café gestaltet). Hier also im Café sitzen heißt für uns Runterkommen, Auftanken und Eindrücke einzuordnen. Durch die Reflexion über Kunstwerke oder Installationen können nicht nur CEOs persönliche Einsichten gewinnen und ihre Resilienz stärken.  So wird die Fähigkeit verbessert, das Unternehmen durch unsichere Zeiten zu navigieren.

„Unsi“ – Mehrzahl von Selfie – der beiden geschäftsführende Partner Elke und Daniel Sieber auf der Biennale Foto: swsp transform

Fazit

Die Beschäftigung mit Kunst, insbesondere im Rahmen der Biennale in Venedig, kann CEOs wertvolle Perspektiven für die Bewältigung von Transformationsprozessen bieten. Kunst öffnet den Blick für das Mögliche und dient als Quelle der Inspiration und Reflexion. Für Führungskräfte, die bereit sind, sich auf diese Erfahrung einzulassen, kann Kunst ein mächtiges Werkzeug sein, um den Herausforderungen des Wandels mit Kreativität, Verständnis und Resilienz zu begegnen. CEOs, die die Kunst als Teil ihrer strategischen Überlegungen einbeziehen, können so die Transformation ihres Unternehmens erfolgreich gestalten und vorantreiben. Kunst als Kraftquelle und Kompass.