von Elke Sieber und Daniel Wensauer-Sieber
Sie führen gemeinsam ein Unternehmen – und eine Beziehung. Unternehmerpaare gelten als Hochrisiko-Konstellation. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild: Wer beides klug verbindet, wirtschaftet messbar besser. Ein Blick auf die Faktenlage – und der Auftakt zu unserem Buchprojekt „CouplePreneur“.
Zwei Paare, zwei Garagen-Gründungen, zwei Enden. 1984 gründeten Sandy Lerner und Leonard Bosack, ein Ehepaar aus Stanford, das Unternehmen Cisco – und legten damit das technische Fundament des Internets. Sechs Jahre später drängte der eigene Investor beide aus der Firma; die Ehe zerbrach danach ebenfalls. Firma verloren, Beziehung verloren.
Vier Jahrzehnte später, im August 2025, erreichte das australische Design-Unternehmen Canva eine Bewertung von 42 Milliarden US-Dollar An der Spitze: Melanie Perkins und Cliff Obrecht – verheiratet, seit über einem Jahrzehnt gemeinsam in der Führung, angetreten mit einer abgelehnten Idee und hundert Investorenabsagen. Zwei Geschichten, eine Frage: Ist die Verbindung von Liebe und Unternehmen ein Erfolgsmodell – oder ein Risiko mit doppeltem Einschlag?
Was die Zahlen sagen
In den USA werden laut Zensus (Annual Business Survey) rund 300.000 Betriebe gemeinsam und gleichberechtigt von Ehepaaren geführt – gut zehn Prozent aller gewinnorientierten Unternehmen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt es diese Zahl schlicht nicht. Wir wissen, dass 88 Prozent aller deutschen Privatunternehmen familienkontrolliert sind und 18,3 Millionen Menschen beschäftigen (Stiftung Familienunternehmen/ZEW 2025). Wie viele davon ein Paar an der Spitze haben? Statistischer blinder Fleck. Ein bemerkenswerter Befund für eine Unternehmensform, die Millionen Menschen betrifft.
Der Performance-Vorteil ist real
Die Forschung liefert inzwischen belastbare Antworten. Eine vielzitierte Studie aus Italien (Amore et al. 2017, Journal of Corporate Finance) zeigt: Von Ehepaaren geführte Familienunternehmen erwirtschaften signifikant bessere Ergebnisse als vergleichbare Firmen – sie investieren mutiger in unsicheren Zeiten, halten Mitarbeitende länger und arbeiten produktiver. Forscher der Universität St. Gallen (Bird/Zellweger 2018, Organization Science) bestätigen das anhand von rund 5.000 schwedischen Familienunternehmen: Paar-geführte Firmen wachsen stärker. Die Erklärung: Vertrauen, gemeinsame Ziele, wechselseitige Verpflichtung – Ressourcen, die kein Organigramm herstellen kann.
Und die Kehrseite?
Sie existiert, und sie ist gut dokumentiert. Eine britische Langzeitstudie (Yu et al. 2026, Small Business Economics) zeigt: Gründet ein Partner, sinkt das Wohlbefinden des anderen – durch längere Arbeitszeiten und Einkommensverluste. Eine Münchner Studie (Hermida Carrillo et al. 2026, LMU München, Journal of Organizational Behavior) fand zudem: Wenn Paare zu Hause zusammenarbeiten, aber unterschiedlich stark zwischen Arbeit und Privatem trennen wollen, steigen Konflikte und Trennungsgedanken. Und eine aktuelle Untersuchung aus China (Guo/Cai/Zhao 2025, Asia Pacific Business Review) liefert einen kontraintuitiven Befund zu Machtverhältnissen: Sowohl klare Führungsgefälle als auch echte Gleichberechtigung können funktionieren – gefährlich ist das ungeklärte Dazwischen.
Warum wir dieses Buch schreiben
Genau in diesem Spannungsfeld – zwischen messbarem Vorteil und realem Risiko – arbeiten Unternehmerpaare jeden Tag. Sie verhandeln Rollen, Geld und Entscheidungen an zwei Tischen gleichzeitig: am Konferenztisch und am Küchentisch. Was ihnen fehlt, ist keine Motivation. Es fehlen Sprache, Modelle und Werkzeuge für die anspruchsvollste Form geteilter Führung.
Deshalb schreiben wir gerade an „CouplePreneur – Wie Unternehmerpaare gemeinsam wachsen“ (Arbeitstitel). Ein Fach- und Praxisbuch, das wissenschaftliche Fundierung mit gelebter Doppelperspektive verbindet: Wir sind selbst Unternehmerpaar und beraten seit Jahren auch Paare, Familienunternehmen und Führungstandems. Das Buch zeigt, wie Partnerschaft, Familie und Unternehmen so gestaltet werden können, dass keine der drei Ebenen dauerhaft auf Kosten der anderen wächst – mit echten Geschichten, konkreten Tools und Reflexionsfragen für den Alltag.
In den kommenden Monaten teilen wir hier immer wieder Einblicke: Forschungsbefunde, Mini-Cases aus der Beratung und Werkzeuge zum Ausprobieren.
Sie führen selbst als Paar ein Unternehmen? Wir suchen Gesprächspartner genau Sie für Interviews – schreiben Sie uns an info@swsp-transform.de
Wir freuen uns auf den Austausch!
Elke Sieber und Daniel Wensauer-Sieber begleiten Unternehmerpaare, Familienunternehmen und Führungstandems in Transformationsprozessen. Ihr Buch „CouplePreneur“ erscheint voraussichtlich im Frühsommer 2027.

